Archiv       Projekt: Glockenkonzert



Die Glocken in Münsters Innenstadt

Die turmreiche Silhouette der Stadt lässt vergessen, dass die Altstadt mit ihren zahlreichen Kirchen 1945 vor dem Untergang stand. Trotz aller Verluste hat sich in Münsters Kirchen ein bemerkenswerter Bestand wertvoller alter Glocken erhalten, der mit diesem Glockenkonzert einmal auf andere als die gewohnte Weise zum Klingen gebracht wird.

 

Dom St. Paulus

Bis 1945 befand sich im Südturm des Domes eines der bedeutendsten Geläute Westfalens, darunter große, überaus wertvolle Glocken des 13. Jahrhunderts. Im März 1945 kurz vor Kriegsende brannte der Turm aus und das Geläute wurde restlos zerstört.

In das heutige, 1956 von Josef Feldmann gegossene Geläute wurde eine alte Glocke von Wolter Westerhues aus der Pfarrkirche zu Altschermbeck einbezogen. In dieser Form wurde das Geläute trotz verzogener Schlagtonlinie auf den Turm gebracht. Erst 1975 konnte durch eine Tonkorrektur der sieben kleineren Glocken das Geläute in einen melodisch einwandfreien Zustand versetzt werden.

Kardinalsglocke, 1956/ Ø 2267 mm/ 7604 kg, Schlagton fis° - 6

Bernardusglocke, 1956/ Ø 1983 mm/ 4990 kg, Schlagton gis° -6

Paulusglocke, 1956/ Ø 1675 mm/ 2940 kg, Schlagton h° - 6

Petrusglocke, 1956/ Ø 1469 mm/ 2036 kg, Schlagton cis’ - 6

Ludgerusglocke, 1526/ Ø 1145 mm/ ca. 900 kg, Schlagton e’- 4

Andreasglocke, 1956/ Ø 1074 mm/ 790 kg, Schlagton fis’ - 4

Marienglocke, 1956/ Ø 959 mm/ 535 kg, Schlagton gis’ - 4

Michaelsglocke, 1956/ Ø 835 mm/ 363 kg, Schlagton h’ - 3

Raphaelsglocke, 1956/ Ø 712 mm/ 213 kg, Schlagton cis“ - 3

Gabrielglocke, 1956/ Ø578 mm/ 120 kg, Schlagton e“ - 5

Im Dachreiter:

Stundenglocke, 1766/ Ø 600 mm/ 150 kg, Schlagton g“ - 1

Viertelstundenglocke, 1772/ Ø 470 mm/ 60 kg, Schlagton a“ ± 0

 

Kirche St. Servatii

Der im zweiten Weltkrieg völlig zerstörte und nicht wieder aufgebaute Westturm trug früher drei Glocken, zwei von 1749 und eine von 1833. Während letztere dem 1. Weltkrieg zum Opfer fiel, blieben die beiden anderen erhalten. Der kleine, nicht auf historische Vorbilder zurückgehende heutige Turm konnte die beiden alten Glocken nicht mehr aufnehmen. Eine wurde an die St. Barbara-Gemeinde Duisburg-Hamborn, die andere der Kirche der Uni-Klinik in Münster ausgeliehen. Der heutige Turm bietet Platz für nur eine kleine, 1951 von Feldtmanm & Marschall gegossene Glocke.

Ø 650 mm, Schlagton d“

 

Ehem. Stiftskirche St. Ludgeri

Das mittelalterliche Geläute der Kirche ist seit dem Guß der drei größten Glocken durch den Münsteraner Glockengießer Wolter Westerhues im Jahre 1507 unversehrt erhalten. Die drei Glocken bilden eines von nur noch drei vollständig erhaltenen Geläuten des Meisters, der als Schüler des berühmten niederländischen Glockengießers Gerdt van Wou für Westfalen große Bedeutung hat. Vom Vorgängergeläute übernommen wurde damals die kleinste, 1464 von Meister Volkerus gegossene Glocke.

Im Turm steht noch ein vermutlich aus dem 14. Jahrhundert stammender, jetzt nicht mehr benutzter Glockenstuhl. Die vier Glocken hängen heute ein Stockwerk höher in einem schönen spätgotischen Glockenstuhl. Es handelt sich um die einzige alte Glockenstuhlanlage, die in der Altstadt Münsters erhalten geblieben ist.

Ludgerusglocke, 1507/ Ø 1293 mm/ ca. 1400 kg, Schlagton d’ + 1,5

Marienglocke, 1507/ Ø 1152 mm/ ca. 950 kg, Schlagton e’ + 5

Katharinenglocke, 1507/ Ø 1031 mm/ ca. 700 kg, Schlagton fis’ + 10

Johannesglocke, 1464/ Ø 815 mm / ca. 350 kg, Schlagton c“ + 7

 

Pfarrkirche St. Lamberti

Die acht alten Glocken der Kirche, gegossen zwischen 1375 und 1619 sind bis auf eine, die 1803 verkauft wurde, alle noch vorhanden. Die Uhrglocke von 1375 sowie eine weitere Läuteglocke von 1547 wurden allerdings nach dem Abbruch des alten Lambertiturmes im J. 1881 aus dem Geläute entfernt und befinden sich derzeit im Glockenmuseum zu Gescher. Die übrigen Glocken gelangten auf den neuen, Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Turm, darunter zwei Glocken von Gerdt van Wou, die Katharinenglocke von Henricus Caesem, sowie die nicht zum Geläute gehörige städtische Brandglocke (von Herman v. Essen), eine kesselförmige Alarmglocke mit unklarem Schlagton.

Lambertusglocke, 1493/ Ø 1520 mm/ ca. 2500 kg, Schlagton c’ + 7

Große Katharinenglocke, 1617/ Ø 1420 mm/ ca. 1750 kg, Schlagton des’ + 1

Marienglocke, 1493/ Ø 1950 mm/ ca. 1000 kg, Schlagton es’ + 7

Kleine Katharinenglocke, 1497/ Ø 905 mm/ ca. 450 kg, Schlagton as’ + 7

Brandglocke, 1594/ Ø 1355 mm/ ca. 1500 kg, Schlagton unklar

 

Kirche des ehem. St. Clemens-Hospitals

Die Kirche erhielt im Jahre 1751 zwei Glocken des Münsteraner Glockengießers Fridericus Schweys. 1827 trat zu diesen eine der Glocken des aufgelassenen Magdalenenhospitals. Den 1. Weltkrieg überstand nur eine Glocke von 1751, ein sehr schöner Guss mit reichem Rokokodekor:

Ø 952 mm/ ca. 500 kg, Schlagton gis’ – 4

 

Ehem. Klosterkirche der Dominikaner

Vom früheren Glockenbestand sind nur zwei, im Jahre 1890 gegossene Glocken bekannt. Heute befindet sich ein 1977 zusammengestelltes Geläute im Turm, in das eine 1670 von Peter Hemony gegossene Glocke unbekannter Herkunft aufgenommen wurde.

Glocke I, 1977/ Ø 760 mm/ 290 kg, Schlagton c“ - 6

Glocke II, 1670/ Ø 705 mm/ 205 kg, Schlagton d“ - 7

Glocke III, 1977/ Ø 604 mm/ 140 kg, Schlagton e“ – 7

 

Liebfrauen Überwasserkirche

Bis zur Säkularisation besaß die Kirche zwei Geläute, eines für die Pfarrei (5 Glocken) und eines für die liturgischen Bedürfnisse des Stiftes (2 Glocken). Ein Teil der Glocken ging im Zuge der Säkularisation verloren, die restlichen im ersten Weltkrieg. Erhalten blieb außer der Uhrglocke von 1613 (jetzt in der Dreifaltigkeitskirche zu Münster) nur die größte Glocke, die Marienglocke, ein herausragend schöner Guss eines namentlich unbekannten Meisters aus dem Jahre 1415. Die Kirche erhielt 1926 ein neues großes Geläute. Leider wurde dabei zur tonlichen „Anpassung“ die Marienglocke einer Klangkorrektur unterzogen und damit ihr Wert als Musikdenkmal vernichtet. Alle 1926 gegossenen Glocken fielen dem zweiten Weltkrieg zum Opfer und konnten erst 1969 durch zwei kleinere Glocken ersetzt werden. Vom Altbestand ist allein die schöne Marienglocke und die alte Uhrglocke von 1613 erhalten, die jedoch an die Dreifaltigkeitskirche abgegeben wurde. An ihre Stelle trat eine Glocke von 1846 aus St. Anna in Mecklenbeck.

Marienglocke, 1415/ Ø 1300 mm/ ca. 1500 kg, Schlagton e’ - 3

Glocke II, 1969/ Ø 1055 mm/ 744 kg, Schlagton g’ - 1

Glocke III, 1969/ Ø 940 mm/ 940 kg, Schlagton a’ ± 0

Ehem. Klosterkirche der Kapuziner, jetzt Pfarrkirche St. Aegidii

1834 wurde aus den Bruchstücken der beim Turmeinsturz der alten Aegidii-Pfarrkirche im Jahre 1821 zerstörten Glocken ein neues Geläute mit schönen klassizistischen Verzierungen gegossen. Davon ist nichts mehr erhalten. Heute besitzt die Kirche ein dreistimmiges Geläute von Petit & Gebr. Edelbrock aus dem Jahre 1961.

Glocke I, Ø 840 mm/ 354 kg, Schlagton b’+ 3

Glocke II, Ø 650 mm/ ca. 150 kg, Schlagton d“ +3

Glocke III, Ø 544 mm/ 98 kg, Schlagton f“ + 3

 

Petrikirche

Die schmalen, seitlich des Chores stehenden Türme bieten jeweils nur einer kleinen Glocke Platz; früher hingen dort zwei Glocken von 1671 und 1726.

Glocke I,1953/ Ø 665 mm Schlagton d“+7, Südostturm

Glocke II,1953/ Ø 550 mm Schlagton f“+3, Nordwestturm

 

Ehem. Observantenkirche

Die von der evangelischen Studentengemeinde genutzte Kirche hat drei in einem Dachreiter übereinander angebrachte Glocken.

Glocke I, 1959/ Ø 800 mm, Schlagton h’ + 3

Glocke II, 1959/ Ø 669 mm, Schlagton d“ + 5

Glocke III, 1959/ Ø 585 mm, Schlagton e“ + 7

Ehem. Klosterkirche der Minoriten, jetzt ev. Apostelkirche

Die Kirche stets nur ein kleines Dachreitergeläute. Glockengüsse sind überliefert für 1536 und 1624. An die Stelle der letzteren traten 1675 drei kleine Glocken, gegossen von Petrus Hemony (Amsterdam). Die Glocke von 1536 wurde 1801 umgegossen, fiel aber dem 1. Weltkrieg zum Opfer, ihre Nachfolgerin von 1928 dem zweiten. Sie ist bis heute nicht ersetzt, so daß die drei Glocken von 1675 mit ihrem schönen E-dur-Dreiklang derzeit das Geläute der Kirche bilden.

Katharinenglocke, 1675/ Ø 621 mm / ca. 150 kg, Schlagton e“ + 1

Franciscusglocke, 1675/ Ø 510 mm / ca. 100 kg, Schlagton gis“ + 1

Antoniusglocke, 1675/ Ø 434 mm / ca. 50 kg, Schlagton h“ + 5

 

Martinikirche

Im hohen Turm der Martinikirche befinden sich sechs Glocken.

I    1982 Ø 1382 mm / 1800 kg     , Schlagton   d1 - 2    

II   1982 Ø 1222 mm / 1200 kg     , Schlagton   e1 - 3    

III  1982 Ø 1076 mm /   800 kg       , Schlagton   fis1 - 3       

I V 1507 Ø 906 mm / 500 kg, Schlagton   a1 - 1

V    1942  Ø 720 mm / 174 kg, Schlagton   d2 - 2

VI I  1942 Ø 5113 mm / 61 kg, Schlagton   g2 +10  

 

 

Stadthausturm

Auch der historische Stadthausturm, der inspiriert durch das ersten Glockenkonzert von 1998 nun wieder über ein eigenes Carillon verfügt, wird in das Konzert mit einbezogen.

Das Glockenspiel wurde im Jahre 2001 von der Kulturstiftung der Sparkasse Münsterland Ost, den Gebr. Nonhoff und der Vereinigung niederdeutsches Münster gestiftet und als Geschenk den Bürgern der Stadt Münster übergeben.

Die 14 Glocken haben folgende Stimmung:

F2 - G2 - A2 - Ais2 - B2 - C3 - D3 - Dis3 - e3 - F3 - G3 - A3 - Ais3 - C4

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